Seite wählen

„Die fabelhaften Guttenbergs – Paarlauf ins Kanzleramt“, so titelte „Der Spiegel“ in seiner Ausgabe 42/2010. Klarer kann man es nicht sagen: Erfolgreiche politische Karrieren müssen heute mehr oder weniger dem Handlungsverlauf einer Soap ähneln. Menschen interessieren sich nun einmal für Menschen. Viel mehr, als für Programme, Grundsatzdebatten oder schwer verständliche Inhalte. Wer etwas „verkaufen“ will – und seien es politische Überzeugungen – muss, um überhaupt wahrgenommen zu werden, smart daher kommen.

Wer etwas bewegen will, muss eine Geschichte erzählen. Und je besser die eigene Geschichte, um so größer ist die Chance, dass jemand zuhört, wenn man weitere Botschaften unters Volk bringen möchte.

Das hat jetzt auch Sarah Palin erkannt. Sarah what?… Fast hätten wir sie schon vergessen. Das war die Gouverneurin von Alaska, die im U.S.-Präsidentschaftswahlkampf einst als mögliche Vizepräsidentin an den Start geschickt wurde. An ihrer Person schieden sich die Geister. Sie polarisierte und hatte sowohl Befürworter, als auch erbitterte Gegner, die ihre Qualifikation in Zweifel stellten.

Frau Palin hat offenbar noch viel vor. Und damit wir sie wirklich nicht vergessen, hat sie sich etwas ausgedacht, was ihr mediales Dasein im Bewußtsein der Zielgruppen nachhaltig verankern soll. Herausgekommen ist die maßgeschneiderte Soap „Sarah Palin’s Alaska“. Eine Kombination aus der faszinierenden Natur Alaskas und der permanenten Präsenz der Protagonistin.

„Mama Grizzly“, wie Palin in der Presse häufig scherzhaft tituliert wird, hat die Bedeutung der Medien auf ihrem Weg stets hoch eingeschätzt. Sie läßt kaum eine TV-Show aus, war als Kommentatorin bei Fox News dabei, wann immer sich Gelegenheit bot und unterstützte auch Medienauftritte von Familienmitgliedern. Gleichzeitig betont sie ihre Rolle als Stilikone und Mode-Trendsetter und veröffentlichte bereits zwei eigene Bücher.

Die neue Soap ist als Dokumentation von Abenteuern in der Natur konzipiert, die im familiären Kreis gemeinsam erlebt werden. Gute Laune ist also für die ganze Familie Pflicht, damit Mama dabei letztlich gut aussieht. Als fünffache Mutter hat Sarah Palin bestimmt auch weniger attraktive Lebensphasen durchzustehen. Aber das wird weitgehend ausgeblendet. Scheinbar läßt sich so eine Großfamilie „mit links“ bewältigen. Ursula von der Leyen läßt grüßen.

Es wird gewandert, geklettert und gepaddelt. Schwer verdauliche Politik bleibt außen vor, sofern es sich nicht gerade um Fragen des Naturschutzes handelt. Ob und inwieweit Mama Grizzly profitieren wird, Gewinner hat diese Soap auf jeden Fall: Der Fremdenverkehr Alaskas und viele Outdooraktivitäten erhalten kräftige Impulse. Und noch einen Gewinner gibt es: „Palin’s Handcrafted Natural Soap“ wird jetzt bestimmt mehr Seife verkaufen, als je zuvor.