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Soap-Fans identifizieren sich mit ihren Stars. Sie durchleben und durchleiden die Höhen und Tiefen ihrer Vorbilder, so nahe wie möglich. Wie sehr, das zeigte sich jetzt in der Europas größtem Shoppingcenter Centro in Oberhausen. Dort sollte eine Autogrammstunde der DSDS-Kandidaten stattfinden. Dass es bei solchen Gelegenheiten hoch her geht, damit war zu rechnen. Doch wie hysterisch die Jugendlichen die Szene diesmal buchstäblich überrollen würden, damit hat keiner gerechnet. Die Bilanz: 60 Verletzte, 14 davon schwer.

Es ist der 27. März 2011, ein schöner Sonntag. Sechs Show-Kandidaten sind noch im Rennen. Zu den „Top 6“ haben sich in dieser Staffel Ardian Bujupi, Marco Angelini, Pietro Lombari, Sarah Engels, Sebastian Wurth und Zazou Mall durchgekämpft. Noch bis vor kurzem kannte sie kein Mensch. Innerhalb weniger Wochen sind sie durch ihre TV-Präsenz für manche Jugendlichen zum Lebensinhalt geworden. Sie werden vergöttert und angebetet. Der eigene Favorit gilt als Maß aller Dinge und wird in Fanforen gegen die Konkurrenten erbittert verteidigt. Dem Idol einmal leibhaftig gegenüber zu stehen, womöglich sogar ein Autogramm zu ergattern, das lockt Tausende, überwiegend weibliche Verehrer. Dem Ansturm Herr zu werden, wird von Mal zu Mal schwerer.

 

Kandidaten, die aus dem Nichts so schlagartig ins Rampenlicht katapultiert werden, müssen sich blitzartig daran gewöhnen, dass keiner ihrer Schritte mehr unbeobachtet bleibt. Kein Fehltritt, aus dem nicht ein Skandal gemacht würde. Die Konkurrenz ist hart und man ist untereinander nicht zimperlich. Ohne Mobbing geht kaum eine Staffel ab.

 

Rund 4.000 Personen waren bereits eingelassen worden, mit 5.000 hatte man gerechnet. Doch vor den Türen drängten sich noch rund dreimal so viele. Als die Veranstalter merkten, dass die Sache außer Kontrolle zu geraten drohte, bemühte man sich, die Zugänge zeitweise zu sperren, um die Massen besser kanalisieren zu können. Doch die hatten sich in ihrer fanatischen Vorfreude bereits so auf ihr Ziel fixiert, dass sie um so stärker herandrängten. Panik brach aus. Es kam zu Knochenbrüchen und Quetschungen. Die Hilfskräfte hatten ernsthafte Schwierigkeiten, überhaupt bis zu den Verletzten vorzudringen. Man kann von Glück sprechen, dass es keine Todesopfer gab. Erinnerungen an die Love Parade werden wach.

 

Viele Fans hatten vorher bereits mehrere Stunden gewartet. Helfer berichteten, dass etliche körperlich bereits geschwächt und teilweise völlig dehydriert waren. Das machte es ihnen um so schwerer, sich in der Drängelei auf den Beinen zu halten. Vielen blieb einfach die Luft weg. In Sanitätszelten mussten zahlreiche Besucher versorgt werden, die bewußtlos waren oder unter Schock standen. Bereits vor rund einem Jahr war es bei einer DSDS-Autogrammstunde in Duisburg zu einer Panik gekommen. Auch damals gab es Verletzte. RTL ist von den selbst gerufenen Geistern eingeholt worden. Man wird sich etwas einfallen lassen müssen, um die entfachte Begeisterung in Zukunft so zu kanalisieren, dass kein Fan dabei zu Schaden kommt.